Am 5. November 2025 versammelten sich über 100 Cost Engineering-Profis, Beschaffungsleiter*innen und Fertigungsentscheider*innen in München zur allerersten Ausgabe des Tset Summit. Das Thema „Shaping the Next Decade of Cost Engineering“ brachte Stimmen von BMW Group, KTM, AGCO, RWTH Aachen, und führenden Beratungsunternehmen A2MAC1 und EFESO Management Consultants Group zusammen, um eine drängende Frage zu adressieren: Wie muss sich Cost Engineering entwickeln, um den Anforderungen schnellerer Entwicklungszyklen, steigenden Nachhaltigkeitsdrucks und globalen Wettbewerbs gerecht zu werden?
Unsere Veranstaltung wurde speziell von Cost Engineers konzipiert, und man konnte die Energie im Raum spüren! Zwischen den Sessions knüpften potenzielle Kund*innen Kontakte mit bestehenden Klient*innen, Partnerschaften wurden erkundet und eine echte Community begann sich um gemeinsame Herausforderungen zu formen. Der Nachmittag endete mit Networking-Getränken und lockeren Gesprächen, die die formellen Diskussionen in praktische, reale Anwendungen übertrugen.
Es war genau die Art von Umgebung, in der Innovation entsteht: wenn Menschen, die selten die Chance haben, sich persönlich zu treffen, endlich ihre Notizen vergleichen und von den Erfolgen und Schwierigkeiten der anderen lernen können.
Keynote von Sasan Hashemi (CEO & Co-Founder, Tset) und Dr. Gerd Sauermann (CPTO, Tset)
Sasan Hashemi und Dr. Gerd Sauermann eröffneten den Summit mit der Untersuchung dreier großer Engpässe im Cost Engineering: Die Modellerstellung erfordert übermäßige Expert*innenzeit, Erkenntnisse bleiben in detaillierten Berechnungen eingeschlossen und manueller Aufwand bleibt in jedem Schritt bestehen. Die Lösung erfordert ein Überdenken der Systemarchitektur mit einer zentralen Software, die Standardisierung mit der Freiheit zur Innovation vereint.
Key takeaway: Die Zukunft gehört integrierten Systemen, in denen standardisierte Fähigkeiten auf anpassbare Anwendungen treffen, alles basierend auf offenen, zugänglichen Daten.
Session von Dr. Markus Storer (Cost Engineering, Datamanagement,
Digitalization, BMW Group) und Christoph Starringer (Specialist Cost Engineering, BMW Group)
Die BMW Group demonstrierte, wie modernes Cost Engineering sich über verschiedene Kategorien erstreckt, von denen jede unterschiedliche Berechnungsansätze erfordert. Um dieser Komplexität zu begegnen, nutzt BMW zentralisierte Master Data mit einer API-first-Architektur, die Integration über mehrere Systeme und Abteilungen hinweg ermöglicht.
Dieser Ansatz hat funktionsübergreifende Zusammenarbeit und Datenzugänglichkeit in der gesamten Organisation ermöglicht und stellt sowohl eine technische Errungenschaft als auch einen organisatorischen Wandel der Denkweise dar.
Key takeaway: Offene Architektur und zentralisierte Daten ermöglichen es Cost Engineering, breitere Geschäftsanforderungen zu erfüllen.
Session von Prof. Dr. Jana Backes (Junior Professor for Sustainability und Futures Research, RWTH Aachen)
Prof. Dr. Jana Backes übermittelte eine kritische Botschaft: Emissionen sind zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden, der die Technologieplanung direkt beeinflusst. Steigende CO₂-Preise unter Regelungen wie dem Emissionshandelssystem verändern, wie Hersteller*innen Designentscheidungen bewerten. Sie veranschaulichte dies mit einem Beispiel, bei dem zwei identisch performende Technologien unterschiedliche Kosten- und Emissionsprofile haben. Unter Berücksichtigung der CO₂-Kosten tritt der Break-even-Punkt bei 67 € pro Tonne ein – über diesem Preis wird die anfänglich teurere, aber emissionsärmere Technologie kosteneffizient.
Die Herausforderung liegt in der Standardisierung der Lebenszyklusanalyse. Verschiedene Datenbanken liefern stark unterschiedliche Emissionswerte für identische Materialien, und unterschiedliche Methoden gewichten Faktoren inkonsistent. Prof. Backes argumentierte, dass Cost Engineering die Verantwortung für Kohlenstoffdaten mit der gleichen Sorgfalt übernehmen muss, die auf Kostendaten angewendet wird.
Key takeaway: Cost Engineers müssen sowohl Kosten- als auch Kohlenstoffdaten verwalten und CO₂ als wirtschaftlichen Parameter behandeln, der Technologieentscheidungen umformt.
Session von Jürgen Gumpinger (Vice President Strategic Supply Chain Management, KTM)
Jürgen Gumpinger eröffnete mit einer Aussage eines großen OEM: „Europäische Fertigung ist tot.“ KTM hat sieben Jahre damit verbracht, Cost-Engineering-Fähigkeiten aufzubauen, um das Gegenteil zu beweisen. Ihre Reise expandierte von grundlegendem Should-Costing zu Target Costing, Value Analysis und Technology Benchmarking und erforderte neue Rollen über traditionelle Cost Engineers hinaus: Vehicle Cost Engineerinnen, die Target Costing verwalten, und Data Engineer*innen, die Automatisierung aufbauen.
KTM verarbeitet jetzt 500 Berechnungen pro Tag durch Automatisierung, die Tset, maschinelles Lernen für Standardteile und kundenspezifische Python-Tools kombiniert. Ihr System integriert mit SAP, PLM und mehreren Datenbanken und ermöglicht es ihnen, Bike-Kosten Jahre im Voraus vorherzusagen, während sie Lieferantenwechsel und Materialkostenverschiebungen berücksichtigen.
Key takeaway: Geschwindigkeit durch Automatisierung ist essenziell, aber nur wenn sie auf genauen Annahmen und ordnungsgemäßer Systemintegration aufbaut.
Session von Olli Harkoma (Global Director Supplier Cost and Tooling Engineering, AGCO)
Olli Harkoma adressierte, wie Cost-Engineering-Daten über Funktionen und Geografien hinweg zugänglich gemacht werden können. AGCOs Antwort umfasste die Akzeptanz von SaaS und den Aufbau von Integration rund um offene APIs. Der Wechsel setzte Ressourcen von der Systemadministration frei und ermöglichte den Fokus auf wertschöpfende Aktivitäten wie Should-Costing und Lieferantenverhandlungen.
AGCO erstellte einen kundenspezifischen Data Browser, der Cost-Engineering-Daten mit PLM, ERP und anderen Systemen integriert. Derzeit greifen 1.500 Nutzer*innen monatlich auf diese Software zu. Ingenieur*innen sehen Kostenwirkungen in Echtzeit, Einkaufsteams erkennen Verhandlungsmöglichkeiten und Qualitätsabteilungen suchen nach Fertigungstechnologie. Auf die Frage, ob Cost Engineers dadurch von Ingenieur*innen übergangen werden, teilte Harkoma Gegenbeispiele: Ingenieur*innen erkannten Gelegenheiten und informierten Einkäufer*innen, während der Einkauf Komplexitätsreduzierungen identifizierte.
Key takeaway: Offene APIs ermöglichen Integration, Integration ermöglicht Datendemokratisierung, und Demokratisierung schafft organisationsweiten Wert.
Panel-Diskussion moderiert von Sasan Hashemi mit Dr. Andreas Cornet (Former Senior Partner, McKinsey), Sascha Voglgsang (Director Costing and Insights, A2MAC1), Oliver Briegel (Partner, EFESO Management Consultants Group), und Dr. Gerd Sauermann (CPTO, Tset)
Das abschließende Panel behandelte eine unbequeme Frage direkt: Stirbt europäische Fertigung? Dr. Andreas Cornets Antwort hielt sich nicht zurück: „Ja, das könnte sein, wenn Hersteller*innen nicht zurückkämpfen.“ Während europäische Unternehmen Nachteile bei Energiekosten und Regulierung haben, können sie kompensieren, indem sie bei den 70–80 % der Kosten aus Materialien und zugekauften Komponenten hervorragend sind.
Sascha Voglgsang erklärte, dass chinesische Akteur*innen Fahrzeuge in extrem komprimierten Zeitplänen entwickeln und europäische Hersteller*innen zwingen, schnellere Technologieentscheidungen mit weniger Ressourcen zu treffen. Dieser Druck erfordert die Automatisierung dessen, was automatisiert werden kann, während menschliches Urteilsvermögen bewahrt wird.
Dr. Andreas Cornet stellte dann konventionelles Denken über Benchmarking in Frage. Tesla hatte Erfolg, gerade weil sie sich weigerten, Konkurrent*innen einfach zu kopieren. Während Benchmarking Basisdaten liefert, erfordert echte Differenzierung innovationsgeführte Ansätze, die zukünftige Möglichkeiten modellieren, anstatt bestehende Lösungen zu replizieren.
Oliver Briegel adressierte, wo Cost Engineering organisatorisch angesiedelt sein muss. Analyse kann verteilt sein, aber Zusammenarbeit mit F&E muss in der Nähe stattfinden. Cost Engineering, das neben F&E sitzt, übertrifft konsistent Remote-Setups, besonders für Zielsetzung.
Das Panel schloss mit einem strategischen Aufruf zum Handeln: Cost Engineering muss sich von der Unterstützungsfunktion zum strategischen Partner auf CXO-Ebene erheben. Wenige Aktivitäten schaffen so viel Wert wie Design-to-Cost, wenn es gut ausgeführt wird.
Key takeaway: Europäische Hersteller*innen können konkurrieren, indem sie Cost Engineering strategisch machen, F&E mit Kostentransparenz befähigen und schneller werden, während sie analytische Strenge beibehalten.
Mehrere klare Themen kristallisierten sich über die Summit-Sessions hinweg heraus:
1. In offene Systeme und Integration investieren.Alle Redner*innen betonten die Unmöglichkeit, dass ein einzelnes Tool alle Probleme löst. Der Weg nach vorne erfordert offene APIs, modulare Services und Integrationsfähigkeiten, die es Best-of-Breed-Lösungen ermöglichen, zusammenzuarbeiten.
2. Automatisierung mit Erklärbarkeit ausbalancieren.
KTMs 500 Berechnungen pro Tag und BMWs automatisierte Workflows demonstrieren die Kraft der Automatisierung. Wie Gerd Sauermann und Jürgen Gumpinger jedoch beide bemerkten, müssen Teams in der Lage sein zu erklären, woher Änderungen kommen, und validieren, dass automatisierte Ergebnisse Sinn ergeben.
Prof. Jana Backes machte klar, dass CO₂ zu einem wirtschaftlichen Faktor wird, nicht nur einem ökologischen. Cost Engineers müssen die Fähigkeit aufbauen, sowohl Kosten- als auch Carbon-Wirkungen von Designentscheidungen zu bewerten.
4. Daten über Funktionen hinweg demokratisieren.Sowohl BMW Group als auch AGCO demonstrierten den Wert der Öffnung von Cost-Engineering-Daten für Engineering, Einkauf, Qualität und andere Funktionen. Wenn Kosten zu einem sichtbaren Parameter wie Gewicht oder Performance werden, folgen bessere Entscheidungen.
5. Global über Annahmen denken.Wie Jürgen Gumpinger betonte, müssen Prozessannahmen tatsächliche Fertigungsrealitäten in verschiedenen Regionen widerspiegeln. Ein europäisches Berechnungsframework wird chinesische oder indische Kostenstrukturen ohne ordnungsgemäße Anpassung nicht genau widerspiegeln.
6. Die strategische Rolle von Cost Engineering erheben.Die Panel-Diskussion verstärkte, dass Cost Engineering massiven Wert schafft, wenn es früh in die Entwicklung einbezogen wird und als strategischer Partner statt als Unterstützungsfunktion behandelt wird. Organisationen, die dies erkennen, werden sich Wettbewerbsvorteile verschaffen.
Der Tset Summit wäre ohne die Bereitschaft von Branchenführer*innen, ihre Erfahrungen offen zu teilen, nicht möglich gewesen. Besonderer Dank geht an Dr. Markus Storer und Christoph Starringer von BMW Group, Prof. Dr. Jana Backes von RWTH Aachen, Jürgen Gumpinger von KTM, Olli Harkoma von AGCO und unsere angesehenen Panelteilnehmer: Dr. Andreas Cornet, Sascha Voglgsang von A2MAC1, Oliver Briegel von EFESO Management Consultants Group sowie Dr. Gerd Sauermann und Sasan Hashemi von Tset. Ihre Einblicke und Offenheit machten diese Veranstaltung für alle Anwesenden wertvoll.
Wir sind unseren Event-Sponsor*innen, A2MAC1 und EFESO Management Consultants Group, für ihre Unterstützung bei der Ermöglichung dieses Treffens dankbar. Ihr Engagement für den Fortschritt der Cost-Engineering-Community half dabei, das Umfeld zu schaffen, in dem bedeutungsvolle Gespräche gedeihen konnten.
Schließlich vielen Dank an die 100+ Cost-Engineering-Profis und Branchenführer*innen, die sich uns in München angeschlossen haben!
Das ist erst der Anfang. Der Tset Summit wird 2026 zurückkehren und die Cost Engineering-Community erneut zusammenbringen, um dieses essenzielle Gespräch fortzusetzen. Event-Aufzeichnungen werden bald verfügbar sein. Bleiben Sie dran für Ankündigungen darüber, wie Sie auf Session-Videos und zusätzliche Ressourcen vom Summit zugreifen können.
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